31.03.25
Unter der Schirmherrschaft verschiedener Industrie- und Handelskammern im Rheinland wurde letzte Woche eine neue Studie zur Güterverkehrsprognose des Bundes und der Auswirkungen für das Rheinland vorgestellt. Diese haben die Kammern gemeinsam mit dem Aufgabenträger go.Rheinland finanziert. Sie legt nahe, dass der Wirtschaftsraum bei der Verkehrsplanung benachteiligt werde. Der Bundesverkehrswegeplan 2040 ist die Basis für den Ausbau der Infrastruktur und hat maßgeblichen Einfluss auf die geplanten Investitionsmaßnahmen in die Schieneninfrastruktur des Rheinlands.
Diese reichen nicht aus, um das künftige Wachstum beim Schienengüterverkehr zu bewältigen. Aus der Studie geht hervor, dass die Prognosen des Bundes die Verkehrsströme aus den sogenannten ZARA-Häfen (Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam) unterschätzen, was gravierende Folgen für die Schieneninfrastruktur und die wirtschaftliche Entwicklung der Region hat. Die Industrie- und Handelskammern im Rheinland fordern daher eine realitätsnahe Anpassung der Bundesverkehrswegeplanung, um negative Auswirkungen für die Infrastruktur der Region auszuschließen. Denn im schlimmsten Fall droht dem Wirtschaftsstandort Rheinland ein Wettbewerbsnachteil.
„Die von uns beauftragte Studie zeigt, dass das Schienengüterverkehrsaufkommen aus den ZARA-Häfen deutlich höher ausfallen wird als in der Verkehrsprognose 2040 des Bundes angenommen“, sagt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf und Vertreter der geschäftsführenden IHK der Industrie- und Handelskammern im Rheinland. „Es braucht daher zwingend eine an den tatsächlichen Entwicklungen orientierte Prognose und darauf aufbauend ein Gesamtkonzept für den Ausbau der Schieneninfrastruktur auf diesen Korridoren.“
Während die Bundesregierung nur ein moderates Wachstum der Seeverkehre erwartet, prognostizieren Experten für Antwerpen und Rotterdam allein bis zu zwei Drittel mehr Güteraufkommen nach, von und durch Deutschland, als in der Bundesprognose für alle ausländischen Seehäfen insgesamt angenommen wird. Ein vergleichbares Verhalten des Bundes hatten die Rheinland-IHKs und go.Rheinland bereits 2016 für den aktuell gültigen Bundesverkehrswegeplan festgestellt. In der Realität wurden die vom Bund für 2030 prognostizierten Mengen bereits 2019 erreicht.
Diese Fehleinschätzung führt dazu, dass dringend benötigte Infrastrukturmaßnahmen nicht priorisiert werden. „Die unzureichende Berücksichtigung des steigenden Güterverkehrs aus den ZARA-Häfen verschärft bestehende Kapazitätsengpässe. Bereits heute ist die Schieneninfrastruktur in der Region an vielen Stellen überlastet, was sowohl den Güter- als auch den Personenverkehr massiv beeinträchtigt“, stellt Norbert Reinkober, Co-Vorsitzender des Sektorbeirats sowie Geschäftsführer von go.Rheinland, fest.
Reinkober: „Hinzu kommt, dass wir selbst bei Umsetzung aller aktuellen BVWP-Projekte noch Engpässe im Netz hätten. Das zeigt, wie sehr die Bundesverkehrswegeplanung der Realität hinterherläuft. Wir fordern daher nachdrücklich ein, dass der Bund seine Prognosen nachbessert und daraus abgeleitet auch die Maßnahmen anpasst. Sonst bleibt es beim Stau auf der Schiene und es wird für Güter- und Personenverkehr gleichermaßen bitter – mit negativen Auswirkungen auf Deutschland und die europäischen Nachbarn.“
Betroffen seien vor allem die Korridore von Aachen nach Köln/Bonn bzw. Düsseldorf sowie von Emmerich nach Duisburg. „Diese Überlastung gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Region. Eine leistungsfähige Schieneninfrastruktur ist essenziell, um den reibungslosen Waren- und Pendlerverkehr zu gewährleisten“, so Sascha Odermatt, Geschäftsführer der Neuss-Düsseldorfer Häfen, abschließend, „ohne zusätzliche Investitionen drohen weitere Verzögerungen, höhere Transportkosten und eine verstärkte Verlagerung des Güter- und Personenverkehrs auf die ohnehin überlasteten Straßen.“
Entsprechend fordert man eine Anpassung der Verkehrsprognose 2040 an die Wachstumszahlen der ZARA-Häfen, die Priorisierung des Ausbaus zentraler Korridiore bei der Bundesverkehrswegeplanung sowie eine engere Zusammenarbeit mit Belgien und den Niederlanden. Bereits geplante Projekte sollen beschleunigt umgesetzt werden, insbesondere solche, die im Zusammenhang mit dem vorzeitigen Ausstieg aus der Braunkohleförderung im rheinischen Revier im Zusammenhang stehen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de