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Fünfzig Jahre U-Bahn Bonn

02.04.25

Im März 1975 – also vor einem halben Jahrhundert – ging in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn die erste U-Bahn an dern Start. Etwa 80.000 Personen haben das neue Angebot am ersten Wochenende zum Sonderpreis von einer Mark für die hin- und Rückfahrt genutzt. Die Idee hinter dem Projekt war ehrgeizig: 1967 beschloss der Bonner Stadtrat, eine schnelle Verbindung zwischen dem Regierungsviertel, Bonn und Bad Godesberg zu schaffen. Mit einem Budget von rund 203 Millionen Mark war das Vorhaben eines der größten städtischen Infrastrukturprojekte der damaligen Zeit.

Allein 190 Millionen Mark entfielen auf die Tunnelstrecke, pro Kilometer Tunnel knapp sechs Millionen Mark. Die Kosten hierfür wurden zum größten Teil von Bund und Land aufgebracht, die Stadt Bonn übernahm zehn Prozent der Kosten. Am 12. Oktober 1967 fand an der Ecke Erste Fährgasse/Adenauerallee der erste Rammschlag statt. Anwesend waren seinerzeit nicht nur Bonner Politiker, sondern auch der frühere Landesverkehrsminister Hermann Kohlhase, sein Bundeskollege Georg Leber sowie der damalige Finanzminister Franz-Josef Strauß.

Der Bau des Tunnels begann unterhalb des seiner Zeit dort gelegenen Postministeriums zwischen dem Bundeskanzlerplatz und dem heutigen Haltepunkt Hauptbahnhof, der in den ersten Jahren der Stadtbahn nur als Wendeanlage genutzt wurde. Die Endstation der Züge war zunächst die provisorische Haltestelle ‚Am Hauptbahnhof‘. Erst 1979 wurde der jetzige Haltepunkt Hauptbahnhof mit seinen vier Gleisen eröffnet. Der Bau des Tunnels fand teilweise in offener Bauweise statt.

Es wurden 650.000 Kubikmeter Erde ausgehoben, das sind umgerechnet 140.000 Lkw-Ladungen. In 2,5 Millionen Arbeitsstunden wurde die Strecke des 3,2 Kilometer langen Tunnels von mehreren Hundert Fachleuten geplant und gebaut. Die Rammarbeiten auf der Adenauerallee erschütterten die Häuser der Anlieger enorm. Furore machte während dieser Arbeiten eine unbürokratische Abmachung zwischen einem Zahnarzt an der Adenauerallee und der Besatzung einer schweren Ramme.

Musste der Dentist eine komplizierte Behandlung vornehmen, hängte er eine rote Fahne aus dem Fenster seiner Praxis. Daraufhin wurde der Rammbetrieb eingestellt und der Zahnarzt konnte ungestört arbeiten. Dann war es endlich soweit: Am 22. März 1975 fuhr der erste Zug der Bonner Stadtbahn durch die Tunnel. Um 10.28 Uhr setzte sich der Zug zur Jungfernfahrt unter dem Applaus der 500 Anwesenden in Bewegung.

Neben der obligatorischen Fahrzeugnummer wurden die Bahnen mit einem Namen und einem Wappen versehen. Das erste Fahrzeug 7351 hieß Bonn, die anderen Bahnen wurden nach Partnerstädten oder Städten mit einer U-Bahn benannt. Zur Taufe von weiteren sieben Stadtbahnwagen mit dem Namen der Partnerkommunen waren Vertreter der U-Bahn-Städte Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main, München, Köln, Nürnberg und Stuttgart nach Bonn gereist.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de